Jahrzehntelang wurde die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) von vielen als eine Kraft wahrgenommen, die positiven gesellschaftlichen Wandel befördern könne. Obwohl sie zu Stalins Zeiten gegründet und von KGB-Agenten unterwandert wurde, wirkte die Kirche während der Perestroika und in den ersten postsowjetischen Jahren oft eher als Vermittlerin und als Tor zu einer liberaleren Weltsicht – einer Welt, in der der Einzelne das Recht hat, zu glauben, was er will. Sie bot ihre Hilfe bei der friedlichen Lösung politischer Konflikte an, stellte sich mitunter gegen die Positionen des Staates und ließ sich als unabhängige gesellschaftliche Institution verstehen.
In den vergangenen 25 Jahren jedoch, und besonders seit Patriarch Kirill die Macht übernahm, hat sich alles geändert. Seit 2023 ist die ROK im Grunde eins geworden mit Putins Staat – mehr noch, sie ist zu einem seiner ideologischen Höhepunkte geworden, zur erklärten Hüterin der sogenannten „traditionellen Werte“. Die Kirche ist tief verstrickt in die Verbreitung von Militarismus, Homophobie und nationalem Hass, sie propagiert die Vorstellung von Putin als neuem Zaren, und der Patriarch billigt offen Kriegsverbrechen mit dem Argument, sie geschähen in gutem Glauben und in Gottes Namen. Ksenia Luchenko verfolgt die interne Politik der Kirche und schreibt über ihr Verhältnis zum russischen Staat seit 25 Jahren. In diesem Buch erklärt sie diese schreckliche Verwandlung und erzählt die verstörende Geschichte, wie eine einst liberale Institution zum Nährboden monströser Ideologien wurde.
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Als Journalistin und Forscherin schreibt Ksenia Luchenko seit 25 Jahren über die Russisch-Orthodoxe Kirche, ihre interne Politik, ihre Hierarchen und ihre Gläubigen. Sie ist Autorin mehrerer Dutzend journalistischer und wissenschaftlicher Artikel über das religiöse Leben im postsowjetischen Russland und die Rolle der Orthodoxie bei der Herausbildung des Putin-Regimes. Ihre Arbeiten erschienen in den angesehensten unabhängigen russischen Medien, von Nachrichtenportalen wie Meduza bis zu Thinktanks wie dem Carnegie-Zentrum; außerdem hat sie mehrere Bücher geschrieben, darunter eines über das Leben der Frauen russischer Priester. Als promovierte Philologin war sie auch als Hochschullehrerin sehr aktiv: Luchenko war Dekanin der Fakultät für Medienkommunikation an der Moskauer Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und Leiterin des Lehrstuhls für Theorie und Praxis der Medienkommunikation an der School of Public Policy der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentliche Verwaltung. Heute ist sie Gastwissenschaftlerin am European Council on Foreign Relations und Mitbegründerin der Faculty of Liberal Arts and Sciences, einer neuen geisteswissenschaftlichen Universität in Montenegro.
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